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19.06.2019

Fulminanter Kick-off zum smood®-Projekt: Getting the ball rolling

Der lang erwartete Kick-off zum regionalen Wachstumskern ‚smood – smart neighborhood‘ fand im Thüringer Klimapavillon in Jena statt. Die Veranstaltung bot den über 70 Gästen ein hochkarätiges Programm.

Moderiert und begrüßt von Jana Liebe (Geschäftsführerin des ThEEN e. V.) und Holger Schmahl (Verlag ARGOS) gab Umwelt- und Energieministerin Anja Siegesmund einen Einblick in Unausweichlichkeit, Stand und Perspektiven der Energiewende in Thüringen. Die Ministerin begrüßte ausdrücklich die Initiative der Thüringer Unternehmer, den ‚smoodies‘, gemeinsam mit unseren Wissenschaftlern eine systemische Wertschöpfung zu etablieren, die aus der urbanen Energiewende – dem Umbau unserer Quartiere – eine Wertschöpfung, ein Geschäft macht, das dem Mittelstand über lange Zeit einen prosperierenden Markt erschließen wird. Dabei zitiert Anja Siegesmund die aktuelle Publikation im von Dr. Kersten Roselt in der aktuellen Ausgabe des Mitteldeutschen Wirtschaftsmagazins ARGOS: „Die Aufgabe der Politik besteht darin, die Förderpolitik stärker darauf (gemeint sind integrierte Quartierslösungen – Anm. d. Red.) auszurichten. Die deutsche Ingenieurskunst hat den Beitrag zu liefern, Quartiersumbau und -betrieb wirtschaftlich und annähernd warmmietenneutral zu gestalten.“

Der Oberbürgermeister von Jena, Dr. Nitzsche, konnte bereits von vielen Ansätzen und Erfolgen beim Klimaschutz und bei energetischen Zukunftsprojekten berichten. So passt es, dass der Regionale Wachstumskern smood® seinen Sitz in Jena hat. Die Absicht einer Kooperation mit dem innovativen Projekt ‚smart Quartier‘ der Stadtwerke Netze Jena ist gewollt und beabsichtigt.

Dr. Kersten Roselt, CEO der JENA-GEOS®, erläuterte in seinem Vortrag den aktuellen Stand beim Quartiersumbau in Thüringen und Deutschland. Tatsächlich gelangt dieser zunehmend in den Bereich der Wirtschaftlichkeit – unter bestimmten Umständen schon heute. smood® sieht sich tatsächlich in der Innovationsführerschaft und wird die Technologien entwickeln, die - quartiers-skaliert – noch fehlen: die Strombatterie für das Quartier, der Erdwärmespeicher für das Quartier und die Erschließung von Geothermie unter Gebäuden. Die Digitalisierung revolutioniert die Bestandsaufnahme (‚Anamnese‘), die Simulation und die Planung des Quartiersumbaus. Zusammengeführt, gesteuert und überwacht werden alle Prozesse mit der ‚digitalen Klammer‘ eines innovativen Gebäude- und Quartiers-Energie-Management-Systems, basierend auf künstlicher Intelligenz.  smood® verbindet diese Neuentwicklungen mit den Bestandstechnologien. „Getting the ball rolling – die Zeit ist reif, dass wir den Stein ins Rollen bringen“, so das Credo des unternehmerischen Sprechers der Initiative.

Ein detaillierterer Bericht ist auf der smood®-Homepage (s. u.) zu lesen, wie auch die einzelnen Vorträge zum Download bereitstehen.

  • Prof. Peter Bretschneider (Fraunhofer IOSB Ilmenau) erläuterte die cross-sektorale Energieversorgung und sprach dem Quartier eine neue Rolle aufgrund einer Stabilisierungsfunktion für die EE-basierte Energieversorgung zu.
  • Tobias Clermont, CEO der Innovation City Management GmbH Bottrop berichtete von Erfahrungen und dem Durchbruch beim Quartiersumbau im Ruhrgebiet. Der erfolgreiche Roll-out gelingt dort weniger Technologie-orientiert, sondern baut zuerst auf aufsuchender Beratung, Akzeptanz und Mitnahme der Bürgerschaft, auch i, niedrigschwelligen Bereich.
  • Prof. Andreas Freytag, geschäftsführender Direktor des Schumpeter-Zentrums in Jena, beleuchtete die urbane Energiewende aus seiner volkswirtschaftlichen Sicht der Wirtschaftlichkeit. Dies verarbeitete er auch 2 Tage später in seiner ‚Freytags-Kolumne‘ in der ‚Wirtschaftswoche‘. Dort schließt er mit den kritischen Worten: „Klimapolitik mit Augenmaß und Ratio wären vermutlich um ein Vielfaches effektiver als moralisch überhöhte Symbolpolitik. Sie würde darüber hinaus geringeres gesellschaftliches Spaltpotenzial haben, weil sie gerade nicht nur auf die Bedürfnisse einer urbanen Elite abgestellt ist. Sämtliche Bevölkerungsgruppen könnten so mitgenommen werden.“
  • Dr. Roland Weidl (FhG IKTS) und David Feige (HKL Ingenieurgesellschaft) komplettieren das anspruchsvolle Vortragsangebot mit näheren Erläuterungen der Forschungsinhalte der 5 Verbundprojekte des Wachstumskerns.


Richtig spannend wurde die anschließende Podiumsdiskussion mit den Referenten Professoren Peter Bretschneider und Andreas Freytag, Tobias Clermont sowie mit Christiane Büttner (JENA-GEOS®) und Bianca Jelinek (IAB gGmbH). „Wie bekommen wir im Quartier Neues Denken, intelligente Systeme und Bezahlbarkeit zusammen?“ war die Fragestellung, die von Jana Liebe und Holger Schmahl mit Engagement und breiter, geradezu fröhlicher Einbeziehung des Publikums moderiert wurde. Spannend war hier auch der Gedanke, die Energiewende im Quartier als Bestandteil einer neuartigen lokalen Ökonomie als Chance für breite Bevölkerungsgruppen.

Trotz enormer Hitze in und außerhalb des Klimapavillons wurde dieses moderne Gebäude als temporäre Architektur dem Anspruch einer Begegnungs- und Diskussionsstätte zum Klimawandel und Energiewende mehr als gerecht. Zahlreiche Besucher, die von außerhalb Thüringens angereist waren, zeigten sich beeindruckt von einer Aufbruchstimmung und einem Optimismus, der alle Akteure gewiss noch weit tragen wird.


Links:
Pressemitteilung
smood by Drohne
Details und Dokumente auf smood-energy.de